Montag, 30. August 2010

Ade Fiji

Hallo meine Lieben,

wie ihr gleich merken werdet, bin ich der Zeit ein wenig voraus. Wir haben hier heute den 30. August. Es ist spät abends. Wir liegen seit heute nachmittag in Vuda Point Marina in der Nähe von Lautoka, Fiji.

Morgen werden wir uns aus Fiji verabschieden und nach Vanuatu segeln. Dann werden ich zum ersten Mal Blauwasser Segeln, was heisst wir haben für 4 Tage nur Wasser um uns. Und ich verspreche Euch möglichst noch vorher einiges zu veröffentlichen.

Ansonsten heisst es: Post an ZMY2495@sailmail.com!

Eure Heike

Freitag, 20. August 2010

Globalisierung - ganz privat

Da liege ich - aus der Schweiz - nun auf dem Deck eines Schiffes aus Neuseeland und höre ich einem Hafen auf Fji Musik von Bach - einem Komponisten aus Deutschland gespielt von einem Musiker aus England auf einem Computer aus Amerika.. Neben uns liegt ein Schiff auf Halifax in Kanada. An unserem Heck liegt eine Yacht aus Marseille, Frankreich. Im benachbarten Industriehafen wird ein Schiff aus China gelöscht. Das Licht kommt aus einer Solarlampe - gekauft in einem Möbelhaus aus Schweden - produziert irgendwo in Asien. Nach dem Essen trinken wir einen Tee - aus Japan. Ich trage Kleidung aus Baumwolle - aus Ägypten oder Peru. Die Stadt heute war voll von Menschen aus Indien.


Denken wir einfach 50 - 100 - 200 Jahre zurück. Wäre das für „normale“ Menschen möglich gewesen?

Albert's Cove






Nach Elizabetha's Cove heisst die nächste Bucht Albert's Cove. Wie auch in den letzten Jahren eine der beliebtesten Buchten. Zumindest bis man sieht, was der Cyclone im April angerichtet hat.

Heute wohnen in dieser Bucht nur noch 2 alte Männer - Brüder, die sich nicht gut leiden können. Einer der beiden berichtet uns (sinngemäss):

„Als wir an dem Morgen im April aufwachten, wussten wir, dass etwas nicht stimmt. Es war Niedrigwasser und trotzdem hatten wir keinen Strand. Normalerweise sollte bei Niedrigwasser am Morgen ein 5 - 10 m breiter Strand da sein. Seit Stunden regnete es, was nur immer vom Himmel kommen konnte. Und dann kam der Sturm. Als erstes flogen unsere Dächer weg und wir lagen im Regen im Freien. Es goss wie aus Kübeln. Nach 3 Stunden war der Sturm durch und wir sahen uns um. Alle Häuser zerstört, nichts mehr da vom Dorf. Zum Glück lebten alle Bewohner.

Aber dann drehte der Wind plötzlich und der Sturm kam zurück. Und mit ihm eine hohe Flutwelle. Und die zerstörte dann die Lebensgrundlage unseres Dorfes. Fast 100m weit wurden Salzwasser und Meeressand in unser Dorf getragen. Alles war bedeckt mit Sand und Salzwasser, als der Sturm nach vielen Stunden endlich nachliess.“

Heute leben wie schon gesagt im Dorf nur noch 2 Brüder. Alle anderen Menschen - die Frauen und Kinder, aber auch die rstlichen Männer, sind in Suva und manche besuchen die beiden von Zeit zu Zeit. Aber das Dorf, von dem mir Bryan vorgeschwärmt hat, existiert nicht mehr. Wir haben den beiden Reis und Mehl da gelassen und haben gemeinsam mit ihnen Fisch gefangen. Das was seit der Flut auch die anderen Yachten machen. Es ist eine Hilfe zum Überleben, mehr nicht.

Elizabetha's Cove





Welch ein anderer Empfang hier als in Catherine's Cove. In diese Bucht kommen nicht so viele Boote. Daher waren viele der Bewohner des Dorfes noch nie an Bord einer Yacht und dementsprechend gross war das Interesse uns zu besuchen. 3 süsse Kartoffeln oder eine Handvoll Auberginen als Gastgeschenk bot Ihnen die Möglichkeit das Boot zu besuchen, eine Tasse Tee mit Milch und Zucker zu bekommen und das Schiff zu besichtigen.

Mitten in der Bucht liegt ein riesiges Riff, das wir vorsichtig zu umfahren zu hatten. Gefährlich nahe - aber wundervoll in den schillernsten Farben des Pacific. Ausser dem Riff in der Mitte der Bucht liegen in Richtung des Strandes - der nicht vorhanden ist - wunderbare Korallen, zu denen wir mehrmals zum Schnorcheln waren. Alles in allem ein wunderbares Erlebnis.

Catherine's Cove






Auf der Insel Rabi in Fiji leben Menschen aus Barneban. Die Amerikaner haben diesen Menschen die Insel gekauft. Auf ihrer eigene Insel bauten die Amerikaner Guano ab und machten diese dadurch unbewohnbar für die Menschen. Heute sind diese Menschen dort offiziell Bewohner von Fiji.

Dieser andere Menschenschlag ist längst nicht so freundlich und offen für Gäste wie die restlichen Bewohner Fiji's. Und somit gibt es eigentlich nichts was dort interessiert - ausser ihrer monströsen Kirche. Einer Kirche an der fast 4 Jahrzehnte gebaut wurde und die man schon von weitem auf dem Meer sehen kann. Auch sie wurde schwer durch den Cyclone beschädigt.

Der Cyclone vom April hat dem ganzen Dorf von Catherine's Cove arg zugesetzt. Von 3 Häusern sind 2 leerstehend. Die Menschen sind in die Hauptstadt nach Suva gegangen und ihre Häuser verfallen. Bryan hatte letztes Jahr mit einem Fischer von dort gesprochen. Sie haben eine spezielle Art zu fischen. Schmale Ruderboote mit einem Ausleger für die Stabilität haben ein bewegliches Segel. Jener Fischer hatte Bryan geklagt, dass sie kein Segelmaterial haben und so stets rudern müssen. Also hatte Bryan sein altes Segel mitgenommen und wollte es dem Fischer schenken. Aber auch hatte sich inzwischen nach Suva begeben. Es war recht schwierig jemand zu finden, der sich über das Segel freute.

Alles in allem fiel uns der Abschied nicht schwer.

Somo Somo







Gegenüber von Viani Bay auf der Insel Viti Levu liegt Somo Somo, eine Kleistadt auf der Insel Taveuni. Taveuni gilt als der Garten Fiji's. Es regnet hier fast täglich wie wir sehen können und ht daher tropisch feuchtes Klma. Auf Taveuni ist eine riesige Sekundarschule. Nahezu 100 Kinder gehen dort in's Internat, das die täglich Anreise zu weit wäre. Manche kommen nur 1 oder 2 Mal im Jahr nach Hause. Ein schmerzhafter Einschnitt im Leben - nicht nur für die Kinder sondern für die ganze Familie.

Jack freut sich eine kostenlose Mitsegelmöglichkeit zu haben. Zumal wir ihm versprechen ihn segeln zu lassen und auf dem Rückweg ein oder zwei Runden über das Riff zu drehen, wobei er au einen guteen Fang hofft. Wir wollen nach Somo Somo um unsere Frischvorräte aufzufüllen. Ich will zudem in einen Internetladen um Mails zu checken und den Blog zu ergänzen. Schnell haben wir eine Einkaufsliste erstellt und Bryan freut sich den Einkauf machen zu können. Genauso wie ich auf das Internet Cafe.

Nach kurzem Motoren sind wir dann in Somo Somo und dann trennen sich unsere Wege - Jack hat etwas zu erledigen, Bryan freut sich auf den Markt und ich sitze als Platzhalter und surfe. Jeder der beiden Männer liefert seine Einkaufstaschen bei mir ab und gibt Rückmeldungen. Nach mehr als drei Stunden hat jeder seine Sachen erledigt. Wir packen alle Einkäufe in ein Taxi und lassen uns zum Hafen bringen. Ein gelungener Tag!

Am Hafen finden wir eine riesige Dorfgemeinschaft, die dabei ist ebenfalls ihre reichhaltigen Einkäufe an Bord eines offenen Bootes zu verstauen. Kaum zu glauben wie viel da Platz hat.

Ganz gelungen ist der Tag, als wir auf dem Heimweg noch einen grossen Fisch fangen. Das gibt ein Festessen für alles Seiten. Wir bekommen eine Seite des Fisches und Jack freut sich über die zweite Seite samt Gräten und Kopf. Das wird daheim ein grosses Nachtessen geben.

Kleine Ursache - grosse Wirkung




In vielen kleinen Dörfern entlang unser Strecke stossen wir immer wieder auf das gleiche Problem: Die Einwohner haben moderne Boote aus Glasfaser. Sie stossen irgendwo an oder haben aus einem anderen Grund einen Miniriss im Boot. Das Boot ist unbrauchbar. Es würde durch ein Weiternutzen grösseren Schaden nehmen, aber Hilfe ist nicht in Sicht. Da Bryan dieses Problem von seiner letzten Reise kannte, hat er sich mit ausreichend Reparaturmaterial eingedeckt. Und so verbreitet sich die Nachricht wie Lauffeuer: Es ist jemand da, der helfen kann. Und so hat Bryan inzwischen fast in jedem Dorf auf der Strecke irgendeine kleine oder auch grössere Reparatur ausgeführt.